DAS MÄNNCHEN STEINALT

Aus Lübeck kommen zahlreiche Sagen und Volksmärchen. Vielen dieser Erzählungen leben durch „Spuren“ im Stadtbild, andere sind fast vergessen. Eine der bekanntesten Sagen, die in Lübeck bereits in der Schule erzählt werden, ist die vom „Männchen Steinalt“.


Dem Totentanz entsagt

Vor der Marienkirche, außen an der Briefkapelle kann man das Männchen aus Stein unter dem Dachsims sitzen sehen. Um 1502 war es ein steinalter Lübecker Kaufmann, dem es mit seinen Geschäften ausgezeichnet ging, deshalb das Leben überaus liebte und der aus diesem Grund niemals und nimmer sterben wollte. Und immer dann, wenn Gevatter Tod den Mann in den Kreis des Totentanzes ziehen wollte, weigerte er sich und schickte den Sensenmann immer wieder fort. Allerdings wurde es mit den Jahren immer einsamer um den Kaufmann. Die gesamte Familie bereits hingerafft, kein einziger Freund war mehr am Leben, und als nur noch die Kinder auf der Straße sich über ihn lustig machten, da wollte eines Tages der Kaufmann doch nicht länger leben.
 

Verzweifelte Suche nach dem Tod

Doch nun wollte der Tod nicht mehr. Er nahm von dem Lübecker Kaufmann einfach keinerlei Notiz mehr und liess ihn Jahr für Jahr länger leben. Ein Leben, was nur noch eine andauernde Qual bedeutet. Aber wie er auch bittet und flehte – der Tod kam einfach nicht mehr.
Schliesslich suchte der steinalte Mann in seiner Verzweiflung den Tod beim Tanz in der Marienkirche. Er stieg eines Nachts über eine Leiter, die Arbeiter an der Kirche vergessen hatten, auf den Dachvorsprung und wartete.

Namenlos – doch unvergessen

Doch auch unter dem Dach der Briefkapelle enttäuschte der Tod den Kaufmann, der Knochenmann ließ sich bis heute dort nicht blicken.
Der steinalte Lübecker Kaufmann ist mittlerweile versteinert und geschrumpft. Viele Jahre soll ihn noch der Küster von St. Marien regelmäßig zum Neujahrsmorgen mit Oblaten versorgt haben, aber als auch dieser verstorben war, da hatte man den steinalten Kaufmann schlicht und einfach vergessen. Nur der Rat der Stadt hatte ihn natürlich nicht vergessen – seine überaus üppige Erbmasse wurde aufgrund nichtvorhandener Erben dem St.-Annen-Kloster zugesprochen. So sind wenigstens seine steinernen Überreste und diese Überlieferung ein ehrendes Andenken seiner Person. Den Namen des Lübecker Kaufmannes hatte man jedoch vergessen …
 

 An der Marienkirche

 

 

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