DER LETZTE TAG VOR BREXIT

Die politische Tragweite des Brexit bezieht sich keinesfalls ausschließlich auf das britische Inselreich. Der Brexit reicht bis in die norddeutsche Tiefebene. Mit weitreichenden persönlichen Folgen.

Der siebzigjährige Iain McNab ist in Schottland geboren, lebt seit rund 30 Jahren in Schleswig-Holstein, wohnt mit seiner deutschen Frau, zwei Kindern und einem eigenen, kleinen IT-Unternehmen zwischen Hamburg und Lübeck im Lauenburgischen und ist – dass heißt: war – fast die letzten zwölf Jahre Bürgermeister des kleinen Örtchens Brunsmark bei Mölln. Denn mit Wirkung des Brexit, genau nach Mitternacht am 31. Januar 2020, scheidet der Schotte McNab aus seinem Amt. Und hinterlässt die traurigen und enttäuschten Einwohner des Dorfes, die mit ihm und seiner Arbeit äußerst zufrieden waren. 

Auch Iain McNab ist enttäuscht und auch ein bisschen traurig. Denn er sei sehr gerne Bürgermeister in Schleswig-Holstein gewesen, dem Land zwischen den Meeren, von dem sich einst die Angeln und die Sachsen aufmachten, das heute britische Inselreich zu besiedeln. Und dort möchte er auch weiterhin leben und wirken, wie der den deutschen und englischen Journalisten erklärte. Doch leider nicht mehr als Bürgermeister, denn die neue Rechtslage besagt, dass Nicht-EU-Bürger innerhalb der EU keine politischen Ämter ausüben dürfen.

Die Möglichkeit, seinen britischen Pass mit einem deutschen Pass zu tauschen, kommt für den gelernten Journalisten nicht infrage. Denn es gibt schließlich noch so etwas wie “Stolz” und auch sonst keinen Grund für ihn, seine seit siebzig Jahren währenden schottische Identität auszutauschen. Auch wenn er bereits 1975 aus Dundee nach Hamburg kam. Was bliebt ist das, was McNab in Brunsmark geschaffen hat: die 100-prozentige Dorfversorgung mit Glasfaserkabel und den Bau eines neuen Gemeindehauses.

Ändern läßt sich nichts. So freut sich Iain McNab auf seinen schönen, schottischen Whisky, der heute Nacht auf ihn warten wird. Nachdem er die Schlüssel für sein Büro und dem neuen Dorfgemeinschaftshaus seinem Amtsnachfolger übergeben hat. Zuvor musste er allerdings seiner Dorfgemeinschaft versprechen, sich auch künftig für die Gemeinde zu engagieren. Und Steuern zahlen darf er übrigens auch weiterhin.

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