GESCHICHTE DER EISENBAHN IN LÜBECK – TEIL 1 – DIE ANFÄNGE

Geschichte der Eisenbahn in Lübeck - Teil 1.: Die Anfänge

Die Anfänge der Eisenbahn waren holprig und langsam. Angetrieben von Kaufleuten, die das Eisenbahnwesen auch für ihr Geschäft als für die Zukunft unverzichtbar erkannten, wollten die Lübecker die Eisenbahn. Schon aus Gründen des Ansehens.

Nicht nur der Nationalökonom Friedrich List nahm die Hansestadt Lübeck 1835 in die Planungen für sein “allgemeines Deutsches Eisenbahn-System” auf. Bereits vier Jahre zuvor arbeitete in Lübeck der Kaumann Nikolaus Hermann Müller mit seinem Sohn Emil Müller an der Planung des Baus einer direkten Eisenbahnverbindung zwischen Hamburg und Lübeck. Nach der wirtschaftlich schwierigen Zeit der französischen Herrschaft mussten Lübecker Kaufleute den Abstand zum Fortschritt aufholen und warben für direktere Verkehrswege zwischen den Hansestädten.

Kaum Interesse an der Eisenbahn

Wallhalbinsel vor dem Holstentor 1851
Wallhalbinsel vor dem Holstentor nach Bau des ersten Bahnhofs um 1851.

1831 hielt sich die Begeisterung der Lübecker jedoch noch engen Grenzen und die Bereitschaft eventuelle Investoren vor Ort war gering. So reiste Emil Müller 1833 nach London auf der Suche nach Mistreitern und Eisenbahn-Pionieren. Und wurde fündig. Und britische Eisenbahn-Ingenieure wurde hellhörig, als sie von den imposanten Plänen des jungen Deutschen hörten. Auch der legendäre Konstrukteur Marc Isambard Brunel lud Müller zu einer Audienz, bot seine Erfahrungen und stellte sogar in Aussicht, mit größerem Investment selbst einsteigen zu wollen. Doch schliesslich fiel die Wahl auf Francis Giles, der bereits als oberster Ingenieur beim Bau der Newcastle and Carlisle Railway von sich Reden gemacht hat. Schliesslich reisen beide, in Begleitung von Giles´ Assistenten William Lindley, schnellstens nach Hamburg. Man prospektierte das Gelände und stellte erste Rechnungen an. Schliesslich fuhr Giles sogar nach Kopenhagen, um mal vorsichtig vorzufühlen. Dänemark und die dänische Regierung herrschten über weite Teile des holsteinischen Landes. Und genau dort lag das Problem.

Dänen unter Kieler Einfluss

Der dänische Staat stand zu dieser Zeit unter unmittelbaren Einflüssen spezieller Kreise aus Holstein und Kiel, die bis heute noch Angst vor den hanseatischen Ungeheuern Lübeck und Hamburg zu haben scheinen. Angst, dass dieser Hansestädte, gleich einer Krake, sich immer mehr Randgebiete ihrer natürlichen Umgebung einverleiben. Tatsächlich aber fürchtete man die wirtschaftliche Konkurrenz, denn auch andere hatten Pläne mit der boomenden Eisenbahn. Seit 1844 konnte man mit der Eisenbahn von Altona nach Kiel fahren, seit 1846 von Hamburg nach Berlin. 1847 wurde zwischen Hamburg und Hannover eine Eisenbahnverbindung eröffnet.
Aber noch bis 1845 tat sich in Lübeck wenig. Aus diesem Jahr ist die Schrift “Die Verweigerung der Lübeckischen Eisenbahn” von Theodor Behn überliefert, Advokat und Sekretär des Lübecker Eisenbahnkomitees.
Giles traf in Kopenhagen nämlich auf breite Ablehnung. Die Dänen hatten kein Interesse daran, eine Konkurrenzbahnunternehmung zur geplanten Altona-Kiel-Verbindung zu erlauben. Seine Eingabe um Genehmigung der projektierten Eisenbahnverbindung sorgte sogar für diplomatische Verstimmungen und entsprechende Verzögerungen der Verhandlungen über ein anderes Bauprojekt, nämlich dem Bau der Altona-Lübecker-Chaussee. Die Hamburger waren sauer.

Nach Ernüchterung siegte die Hoffnung

dänische Genehmigung
Titelblatt der dänischen Genehmigungsurkunde für die Entwicklung der Eisenbahn in Lübeck.

Erst 1843, neun Jahre nach Giles, versuchte der Lübecker Rat unter Senator Theodor Curtius, Bürgermeister Heinrich Brehmer und Syndikus Peter Ludwig Elder diplomatisches Geschick. Aber auch diesmal führten die vorgelegten Pläne nicht zur erhofften Zustimmung. Die Lübecker wiesen eine konkrete Streckenprospektierung von Lübeck nach Hamburg nach.
Die Dänen lehnten jedoch eine direkte Eisenbahnverbindung zwischen den beiden Hansestädten ausdrücklich ab. Die Gründe dafür waren profan: die dänische Krone hätte von den Handelsbeziehungen beider Städte rein gar nichts gehabt.
Eine offensichtliche Benachteiligung, die für Empörungen sorgte, in der Bevölkerung und auch unter den Bündnispartnern. Vertreter der Staaten des Deutschen Bundes, gemeinsam mit Russland und Frankreich, handelten in Kopenhagen eine Kompromiss aus. Am 23. Juni 1847 stimmte schließlich die dänische Regierung in den Bau einer Eisenbahn von Lübeck durch das Lauenburgische nach Büchen zu. In Büchen bestand direkter Anschluss an die Berlin-Hamburger-Bahn.
Das ernüchternde Ergebnis versprach allerdings attraktive Potenziale durch die Möglichkeit, die Strecke in naher Zukunft bis nach Hannover zu erweitern.

Jetzt bestanden durchaus Möglichkeiten, allerdings mussten schnellstens Geldgeber her. Ganze drei Jahren intensiver Planungen, Werbungen und Verhandlungen dauerte es aber noch, bis im Februar 1850 die erste Direktion der Lübeck-Büchener Eisenbahngesellschaft (LBE) ihren Dienst aufnahm.

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